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 Autor Thema: Stirbt die Biene, stirbt auch der Mensch
Richard Leopold TomaschwO
Datum: 26.06.2009 21:32 Antworten Als Email verschicken Kontakt: rileto@proleben.at

Betreff: Stirbt die Biene, stirbt auch der Mensch
 

Die Bienenverschwörung


Text: Berndt Welz


Die Bombe platzte vor Weihnachten 2008. Im Büro der neu berufenen Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ging ein 13-seitiges „Begrüßungsschreiben“ ein: Die Präsidenten der beiden größten deutschen Imkerverbände, Peter Maske vom Deutschen Imkerbund D.I.B. und Manfred Hederer vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund DBIB, gratulierten der Ministerin zunächst artig zu ihrem neuen Amt – um dann heftig zur Sache zu kommen. In ihrem mit Fakten und Argumenten gespickten Brief erheben die Imkerfunktionäre massive Vorwürfe gegen die deutschen
Bienenforscher und gegen mehrere Behörden, die dem Aigner-Ministerium unterstehen. Es gebe praktisch keine unabhängige staatliche Kontrolle mehr, klagen sie, die
chemische Industrie bestimme die Richtung der Forschung: „Forschung benötigt Geld. Und dieses Geld wird gerade im Bereich der Agroindustrie nahezu ausnahmslos von Firmen wie Bayer, BASF, Syngenta etc. zur Verfügung gestellt. Diese Firmen verdienen Milliarden mit den von ihnen hergestellten Giften und haben daher kein Interesse an der Aufdeckung ihrer Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt.“
Der undiplomatische Vorstoß kam nicht von ungefähr. Bei den deutschen Imkern liegen die Nerven blank. Seit einigen Jahren klagen sie über jährlich schwankende, aber insgesamt immer dramatischere Verluste an Bienenvölkern. Hierzulande hat sich dafür der
Begriff „Bienensterben“ eingebürgert. In den USA heißt es „Colony Collaps Disorder“, CCD, was nichts anderes bedeutet, als dass die Bienenvölker sterben, ohne dass man so recht weiß warum.
Für viele Imker ist die schleichende Vergiftung der Landschaft mit Pflanzenschutzmitteln die
wesentliche Ursache. Von offizieller Seite aber bekommen Imker und Öffentlichkeit stets einen anderen Hauptfeind präsentiert: die Varroa-Milbe. Unvorsichtige Bienenforscher hatten den Parasiten in den 70er Jahren aus Asien eingeschleppt; Anfang der 80er war er
in Deutschland bereits flächendeckend verbreitet. Die drei Millimeter kleine Milbe schlüpft in
die Brutzellen und saugt die Bienenlarven aus. Allein im Winter 2007/2008 habe die Milbe 25 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland vernichtet, vermelden die Bieneninstitute. „Wer die Varroa-Milbe unterschätzt, lebt auf einem anderen Stern“, sagt Peter Rosenkranz, Leiter des Bieneninstituts an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Pflanzenschutzmittel, so das Credo von Rosenkranz und vielen seiner Kollegen, spielten beim
Bienensterben nur eine untergeordnete Rolle.
Auch in Zeitungen und Zeitschriften sowie in Wissenschaftssendungen (etwa „Abenteuer Wissen“ im ZDF) erscheinen in schöner Regelmäßigkeit Berichte über das „mysteriöse Bienensterben“ mit der suggestiven Frage: „Ist die Varroa-Milbe schuld?“, die die Antwort gleich mitliefert: So wie es aussieht, ja. „So ein Unsinn“, widerspricht der Germeringer Fridolin Brandt, der jahrelang Hobby-Imker ausgebildet hat; „wir leben seit 25 Jahren mit der Varroa, die war immer ein Thema, aber nie wirklich dramatisch.“ Denn viele Imker setzen beispielsweise Zitronen-, Ameisen- oder Oxalsäure ein, die den Geruchssinn der Milbe schachmatt setzen, und bekommen dadurch das Problem in den Griff. Auch Imkerpräsident Wolfgang Hederer kann das V-Wort nicht mehr hören. „Mit der Varroa-Milbe will man von den Pflanzenschutzmitteln ablenken“, sagt er. Und die neuesten Versuche, eine Biene zu züchten, die den Parasiten abwirft, bevor er saugen kann, hält er für einen Aprilscherz: „Das wäre genauso, wie wenn man eine Hunderasse entwickelt, vor der automatisch alle Flöhe Reißaus nehmen.“
Seit vergangenem Jahr scheint der Versuch, das Bienensterben mit der Varroa zu erklären, ohnehin zunehmend ins Leere zu laufen. Im Mai 2008 erlebten die Imkern in Südbaden ihren Super-GAU:
Innerhalb weniger Wochen starben am Oberrhein, vor allem im Ortenaukreis nördlich von Freiburg, mindestens 12 500 Bienenvölker mit rund 330 Millionen Tieren – und diesmal war erwiesenermaßen ein Pflanzenschutzmittel schuld: das Insektizid Poncho Pro, das von Bayer CropScience, einer Tochter der Bayer AG, hergestellt wird. Das Gift mit dem Wirkstoff Clothianidin sollte den gefürchteten Maiswurzelbohrer bekämpfen, einen Käfer, dessen Larven die Maiswurzeln fressen. Dazu wird die Maissaat „gebeizt“, das heißt mit dem Gift getränkt. Und eigentlich soll das gebeizte Saatgut komplett im Boden verschwinden, sodass Insekten nicht direkt mit ihm in Kontakt kommen können. Deshalb war das Mittel trotz seiner grundsätzlichen Gefährlichkeit (laut technischem Datenblatt „sehr giftig für Wasserorganismen“) als „für Bienen nicht gefährdend“ eingestuft. Aber die Realität führte die Theorie ad absurdum.
Denn diesmal wirkte das Pestizid wie in einem Horrorfilm: Beim Säen lösten sich Stäube mit dem Gift von den Maiskörnern und wehten auf Raps-, Löwenzahn- und Obstblüten, wo die Bienen in kürzester Zeit starben. Wissenschaftler des Julius-Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig, vormals Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, fanden in den verendeten Bienenkörpern hohe Dosen des Gifts. Bayer CropScience sprach von einem „technischen Fehler“. Schuld seien die Saatguthersteller, die das Pestizid nicht ordnungsgemäß aufgebracht hätten, sowie ungeeignete Sämaschinen. Eine Erklärung, die viele Imker wütend macht. „Wie kann der Konzern es sich leisten, durch schlampig arbeitende Beizfirmen sein Image versauen zu lassen?“, fragte der Schwarzwälder Imker Christoph Koch auf der Bayer-Hauptversammlung am 12. Mai 2009 Aktionäre, Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns. „Und warum gehen die verantwortlichen Manager nicht gerichtlich dagegen vor?“ Auf eine Antwort wartete er vergeblich. Clothianidin, das in Deutschland seit 2003 auf dem Markt ist, gehört zu einer relativ neuen und wirtschaftlich sehr erfolgreichen Klasse von Pestiziden, den so genannten Neonikotinoiden. Diese Gifte wirken systemisch; das heißt, sie werden auf den Samen aufgebracht und verbreiten sich, während die Pflanze heranwächst, in der gesamten Pflanze. Da sie nicht mehr versprüht werden, ist die Umweltbelastung geringer – zumindest theoretisch. Bayer CropScience preist die Einführung der Neonikotinoide als „Meilenstein in der Insektizidforschung“ und den ebenfalls dazugehörigen Wirkstoff Imidachloprid, der bereits seit 1991 im Einsatz ist, als „das erfolgreichste, wirksamste und zugleich weltweit umsatzstärkste Insektizid.“
Die Behörden in Deutschland und Frankreich behandeln die Neonikotinoide offenbar sehr unterschiedlich. Die französische Zulassungsbehörde AFFSA verbot Imidachloprid 1999 für den Sonnenblumen- und 2003 für den Maisanbau. Die Franzosen machten auch den bislang einzigen ernsthaften Versuch, systematisches Wissen über die Auswirkungen der neuen Gifte zusammenzutragen: Nach den negativen Erfahrungen mit den Pestiziden gründeten sie eine zwanzigköpfige Expertengruppe unter Federführung des Institut Pasteur und der Universität Caen – das „Comité Scientifique et Technique de l’Etude Multifactorielle des Troubles des Abeilles“ (CST), zu deutsch etwa „Wissenschaftlich-technischer Ausschuss zur multifaktoriellen Untersuchung der Bienenprobleme“.
Die Forscher werteten 483 wissenschaftliche Veröffentlichungen und Dokumente über den Wirkstoff Imidachloprid aus, und zwar zu allen Aspekten des Themas: Konzentration des Giftes im Pollen, im Nektar, im Erdreich; Vergleich der Situation bei Sonnenblumen (die von Bienen angeflogen werden) und beim Mais (der von Bienen kaum angeflogen wird); Gegenüberstellung von akuter und chronischer Toxizität; Bewertung der Risiken sowohl hinsichtlich der Exposition, also der Gefahr, dass die Bienen mit dem Gift in Berührung kommen, als auch hinsichtlich der Auswirkungen.
Unter anderem kam die Studie zu dem Ergebnis, dass Imidachloprid bis zu drei Jahre nach der Aussaat von gebeiztem Samen im Boden nachweisbar ist; außerdem reicherten sich im Boden weitere hochgiftige Abbauprodukte an. Was die Giftigkeit angeht, so kamen die französischen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass bereits vier Milliardstel Teile des Körpergewichts tödlich wirken; das sind bei Bienen Mengen im Nanogramm-Bereich. Auch einige deutsche Bienenforscher hatten die Wirkung von Imidachloprid und dem Neonikotinoid Fipronil untersucht – allerdings mit entgegengesetzten Ergebnissen. Die Unterschiede waren so eklatant, dass der Streit unter den Forschern hochkochte und es am 28. Januar 2004 zu einem denkwürdigen Treffen in Straßburg kam. Dort lasen die Franzosen ihren deutschen Kollegen die Leviten. Sie bemängelten die fehlende Dokumentation der Testreihen, erkannten „Mängel in der Methodologie und der Repräsentativität“ und kamen zu dem Ergebnis, dass „diese Studien statistisch und wissenschaftlich nicht fundiert sind“. Die Schlussfolgerung war eine schallende Ohrfeige: „Da die Quelle der angesprochenen deutschen Labordaten nicht vorliegt und die deutschen Institute nicht in der Lage sind, diese Analysen durchzu-führen, lassen sich die Unterschiede wahrscheinlich dadurch erklären, dass diese Daten vom Hersteller stammen.“ Deutlicher haben Wissenschaftler eine Einflussnahme der Industrie selten angeprangert.
Wie um die Kritik der Franzosen im Nachhinein noch einmal zu bestätigen, wurde daraufhin unter großem Presserummel das „Deutsche Bienenmonitoring“ aus der Taufe gehoben. Unter Beteiligung der Bienenforschungsinstitute, der Pestizid-Hersteller, des Bauernverbands und über 100 Imkern sollte das Bienenmonitoring endlich die Ursachen der Völkerverluste aufklären – auf „weltweit einzigartige“ Weise. Die Realität sah anders aus. Verglichen etwa mit der CST- Studie, wirkt die 16-seitige Zusammenfassung der Ergebnisse, die 2008 erschien, arg dürftig.
„Das ist eine einzige Katastrophe“, urteilt Peter Hoppe, der den „Zwischenbericht 2004-2008“ des Bienenmonitorings auf Bitte von Fridolin Brandt auf wissenschaftliche Plausibilität abgeklopft hat. Hoppe war als Veterinär jahrzehntelang in der Forschung tätig, unter anderem als Leiter der Entwicklung Tierernährung bei BASF. Reihenweise listet Hoppe die Mängel des Bienenmonitorings auf: Die Autoren seien anonym; es gebe keinen Versuchsplan mit Beschreibung der Ziele; die Methodik sei völlig unzureichend beschrieben; es fehle eine genaue Dokumentation der Ergebnisse, ebenso wie eine Darstellung des gegenwärtigen Standes der Wissenschaft. Besonderer Makel: Die CST-Studie, das Maß aller Dinge zum Thema, werde weder erwähnt noch diskutiert. Vernichtendes Fazit: „Insgesamt verfehlt das Monitoring eindeutig den wissenschaftlichen Anspruch, zur Klärung der Ursachen für die Völkerverluste beizutragen. Der Diktion nach handelt es sich hier eher um eine Marketing-Strategie mit Scheinbeteiligung vieler nicht unabhängiger und teilweise nicht-kompetenter Mitglieder zur Verwischung der Verantwortung und Senkung des Konfliktniveaus.“ Im persönlichen Gespräch wird Hoppe noch deutlicher: „Das Ganze halte ich für eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit.“
„Verraten und verkauft“ vom Bienenmonitoring fühlen sich auch die Imkerverbände. Die Bienenzüchter, die sich während des Projekts einer übermächtigen Lobby aus Pestizidherstellern und Bauernverband gegenübersahen, zogen sich schließlich verbittert zurück. In einer seiner zunehmend verzweifelter klingenden Presseerklärungen zum Deutschen Bienenmonitoring schrieb der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB), man habe mehrmals vergeblich versucht, Kritik am Projekt geltend zu machen: „Das Resultat war, dass diese Kritik in dem vom Deutschen Bauernverband erstellten Protokoll nicht einmal erwähnt wurde.“ Auch die Imker haben den Eindruck, dass wissenschaftlich brauchbare Ergebnisse offenbar gar nicht gewollt waren. „In der Frage der Methodik bei den Untersuchungen auf Bienengefährlichkeit für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln hat es keine Fortschritte gegeben“, erklärt der DBIB. Das ist umso bemerkenswerter, als die französischen Autoren der CST-Studie detaillierte Vorschläge gemacht hatten, wie künftige wissenschaftliche Studien zum Thema angelegt sein könnten.
Die Profi-Imker stellen auch die Gretchenfrage: „Warum nehmen die Bieneninstitute das alles kritiklos hin?“ In der Tat sind die Bienenforscher in einer misslichen Lage. Die wissenschaftlichen Einrichtungen, die meist entweder einer Universität oder einer Landesanstalt angegliedert sind, sind wie die meisten anderen Forschungsinstitute auch auf Drittmittel angewiesen. „Wir müssen eben schauen, wo wir unsere Aufträge herbringen“, sagt etwa Klaus Wallner vom Institut für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. Und sein Chef Peter Rosenkranz weist die Unterstellung der Imker, die Bienenforscher seien zu sehr von der Industrie abhängig, zurück: „Dass wir die Industrie mit ins Boot nehmen, ist doch legitim.“
Doch die Kräfteverhältnisse sind ungleich. Bayer CropScience machte 2007 5,8 Milliarden Euro Umsatz. Allein mit Clothianidin, das in mehreren Produkten verwendet wird, setzte das Unternehmen 600 Millionen Euro um. Ganze 600 000 Euro an Bundesmitteln hat dagegen das Julius-Kühn-Institut (JKI) pro Jahr für Bienen-Themen zur Verfügung. Dass das Bienenmonitoring offenbar Schwächen hat, ist beim für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) noch nicht angekommen. Auch im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hält man den Bericht für wegweisend. Dort wiederholt man auf Anfrage die geringe Bedeutung der Pestizide für den Bienentod: Es konnte „zwischen Pflanzenschutzmittelrückständen im Bienenbrot (der Winternahrung der Bienen, die Red.) und den Auswinterungsverlusten keine Korrelation hergestellt werden“. Nach Meinung der Imker haben die Pestizidhersteller mit dem Bienenmonitoring ihr Ziel erreicht: Die Politik sieht weg.
Immerhin beschäftigt sich jetzt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am JKI mit dem so genannten Guttationswasser. Das ist Feuchtigkeit, die die Pflanzen bei hoher Luftfeuchtigkeit und an warmen Tagen ausschwitzen – und die bei Pflanzen, die mit Pestiziden behandelt wurden, entsprechend belastet ist. Dieses Wasser sitzt dann auf den Blattspitzen oder rinnt am Stamm hinab, wo Insekten es trinken. Untersuchungen einer Gruppe um Vincenzo Girolami von der Universität Padua haben die Aufmerksamkeit auf das Guttationswasser gelenkt und die Imkerzunft aufgeschreckt. Die Italiener beobachteten, dass Bienen, die den Tau von mit Neonikotinoiden gebeizten Maispflanzen getrunken hatten, binnen weniger Minuten starben. Mancher Imker indes ist es inzwischen leid, auf die Ergebnisse von Untersuchungen zu warten, denen er ohnehin nicht traut – und nimmt das Heft lieber selbst in die Hand. Manfred Gerber, ein Imker aus dem hessischen Viernheim, der 2005 an einem Standort 80 Prozent Verlust zu beklagen hatte, stellte im letzten Jahr zwei Testvölker zur Giftkontrolle an Ackerränder. Dort werden seit fünf Jahren Rüben angebaut, deren Saatgut mit Clothianidin gebeizt wurde. Um andere Stressfaktoren auszuschalten, erntete Gerber bei den beiden Völkern keinen Honig und behandelte sie nur gegen die Varroa-Milbe. Bis in den Herbst waren die Bienen kerngesund. Als Gerber im Januar den Stock kontrollierte, waren alle tot. Seine Vermutung ist, dass das Pestizid sich mittlerweile im Boden angereichert hat. Die Senfpflanzen, die der Landwirt nach der Rübenernte auf dem Feld angebaut hat, hätten das Pestizid aufgenommen; aus ihren Blüten wiederum entnahmen die Bienen Nektar und Pollen und legten sie als Winterfutter an. Was ihnen dann zum Verhängnis wurde.
Aktive Imker wie Gerber, die nicht nur ihre Bienen genau beobachten, sondern auch die umgebende Kulturlandschaft, die Arbeit der Landwirte und nicht zuletzt die Politik im Blick haben, weisen darauf hin, dass das Bienensterben kein isoliertes Problem ist – und keine isolierte Lösung haben kann. „Die Intensivierung der Landwirtschaft hat ein Ausmaß angenommen, das gefährlich wird. In Deutschland werden jedes Jahr 30 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel in und auf die Böden gebracht. Es leiden ja nicht nur die Bienen, sondern auch die Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten.“ Und von den Insekten hänge nicht nur eine Vielzahl von Pflanzen ab, sondern auch andere Tiere wie zum Beispiel die Vögel. „Die Bienen haben eine zentrale Stellung in den Ökosystemen unserer Kulturlandschaft“, sagt auch Thomas Radetzki vom ökologischen Imkernetzwerk Mellifera; „das wird viel zu wenig beachtet – von den Imkern, von den Landwirten, von der Öffentlichkeit.“ Denn die Biene ist nach Schwein und Rind das drittwichtigste Nutztier, der Hauptbestäuber von Obst- und vielen anderen Nutzpflanzen. Nach Angaben der Weltagrarorganisation FAO sind 35 Prozent der Nahrungsmittelproduktion von Bestäubern wie Bienen abhängig. Um Schaden von der Umwelt und den Bienen abzuwenden, müsste die Zulassung aller Neonikotinoide ruhen, fordern die deutschen Imker. Aber damit stoßen sie bei Behörden auf taube Ohren. Dass es allerdings schon durch entschlossene Privatinitiative möglich ist, etwas zu ändern, zeigt ein Blick ins Ausland – in diesem Fall nach Großbritannien. Dort hat das Unternehmen Co-op, das zugleich größter Einzelhändler, größtes Landwirtschaftsunternehmen und mit drei Millionen Mitgliedern größter Verbraucherverbund des Landes ist, aus Sorge um die Bienen im Februar 2009 ein ehrgeiziges Programm gestartet: „Plan Bee“. Die Initiative ist umfassend angelegt: Zum einen verzichten die Vertragslandwirte von Co-op auf den Einsatz sämtlicher Neonikotinoide. Zum anderen wird alles Menschenmögliche getan, um den Bienen wieder bessere Lebensbedingungen zu bieten: Co-op fordert seine
Vertragslandwirte auf, Imkern Orte für Bienenstöcke zur Verfügung zu stellen, und liefert ihnen Saatmischungen für Wildblumen, die an Ackerrändern und auf Brach-flächen als Bienenweide dienen können. Zudem investiert man 150 000 Pfund (170 000 Euro) in die Erforschung der Ursachen des Bienensterbens. Und die Endverbraucher unter seinen Mitgliedern ermuntert das Unternehmen, auf dem Balkon oder im Garten möglichst bienenfreundliche Bedingungen zu schaffen – oder gar gleich Hobby-Imker zu werden. Die Grundausstattung gibt es natürlich auch, zu günstigen Preisen. Ein solches Engagement, wo Industrie, Landwirtschaft, Imker und Verbraucher so konsequent an einem Strang
 
Mel
Datum: 18.05.2010 7:11 Antworten Als Email verschicken Kontakt: majabees"gmail.com

Betreff: Dimethoat Bienen
 

Am 4. Mai 2010 ist in der online Ausgabe von „Süddeutsche“ einen sehr interessanten Artikel erschienen. Nichts Wichtiges auf den ersten Blick, irgendetwas über Maikäfer und eine kleine Stadt in Hessen in Deutschland, die sich an dieser Plage reibt. Jedoch wenn man sich eigentlich auf den Inhalt konzentriert, kann man leicht herausfinden wie viel Schaden die beschriebene Situation der Umwelt und den Menschen bringen kann.
Die Landesregierung in Hessen hat es erlaubt, ein Insektizid Namens „Dimethoat“ von Hubschrauber her auf die Felder, Wiesen und Wälder zu sprayen, um sich der Plage von Maikäfern loszuwerden. Alles könnte schön sein, hätte es nur einer prüfen, ob dies Produkt umweltfreundlich ist, oder ob es wirklich nur geringe Schaden zufügt.

Der Publikation von Pesticide Information Project of Cooperative Extension Offices of Cornell University, Michigan State Univeristy u. a. nach ist Dimethoat ein Insektizid zur Beseitigung von Milben und anderen Insekten auf zweierlei Art und Weise: systemisch und durch Kontakt. Das bedeutet, dass es von Pflanzen absorbiert wird und in das innere Pflanzensystem eingenommen, so dass wenn irgendwelches Insekt die Pflanzen beißen oder saugen wird, stirb es sofort. Als Kontaktpestizid tötet es alle Insekten auf die es gesprayt wurde.
Bei systemischen Pestiziden wird der Wirkstoff von der Pflanze über die Wurzeln oder das Blatt aufgenommen und mit dem Pflanzensaft in der Pflanze verteilt. Bei ihren Saugaktivitäten nehmen die Schädlinge den Wirkstoff über den Pflanzensaft auf und sterben danach ab.
Pflanzenschutzmittel, die über den Kontakt mit dem Schädling wirken, werden durch Spritzen und Sprühen ausgebracht. Der Wirkstoff des Mittels wird vom Schadinsekt direkt aufgenommen, das Tier stirbt ab.
Denkt man darüber nach, kommt man zu echt schrecklichen Ergebnissen. Dimethoat wirkt sowohl als systemisches Pestizid und durch Kontakt mit den Schädlingen; folglich gibt es den Insekten keine Chance aufs Überleben, sei es ein nützliches Insekt, wie Honigbiene, sei es Schädling. Nachdem Dimethoat in Hessen gesprayt worden ist, können alle in der Gegend das Bild von Schmetterlingen oder Honigbienen aus dem Gedächtnis auslöschen. Die letzteren haben schon schwere Verluste in Folge des sogenannten Völkerkollaps wegen Bayers Pestizid ein Paar Jahre her ertragen.

Überraschenderweise haben die WHO (Weltgesundheitsorganisation) und die EPA US (Ameriknische Umweltschutzagentur) sowohl Dimethoate als auch das berüchtige Endosulfan als dieselbe Klasse von mäßig toxischen Chemikalien klassifiziert.

Dimethoat gehört zur Organophosphaten; diese Gruppe von Chemikalien wirkt durch Einmischen in die Aktivitäten von Cholinesteraze, eines Enzyms, das wesentlich für die richtige Arbeit des Nervensystems von Menschen und Insekten verantwortlich ist. Zusätzlich wird dies Pestizid wahrscheinlich mutagen und karzinogen („wahrscheinlich“ – dasselbe wird von Endosulfan gesagt) geglaubt. Mann muss sich nicht in die Datenblätter von beiden Substanzen hineinlesen, um zu merken, dass die beiden Substanzen einander sehr ähnlich sind; beide sind toxisch für Vögeln, Fisch und aquatische Invertebrate. Es gibt nur eine Sache, die beide Produkte unterscheidet; und nämlich die Toxizität den nützlichen Insekten gegenüber.
Erstaunlicherweise ist Dimethoat mehr toxisch für Honigbiene und andere Tierarten als Endosulfan.

Marc Widmann merkte in seinem Artikel ziemlich gut, dass das Sprayen von Dimethoat sicherlich sehr effektiv sein wird, und die Millionen von Maikäfer sehr schnell ums Leben bringen wird. Jedoch es wird auch eine Katastrophe für die Biodiversität mit sich bringen.

Ich bin Europäerin und ich habe persönlich als kleines Kind die Maikäfer mit meinen eigenen Händen gesammelt, so haben meine Eltern und Großeltern. In anderen Europäischen Ländern gebrauchen die Landwirte und Regierungen völlig andere Pestizide, und nie so sehr toxische für die Umwelt, oder sie lassen einfach die Hilfe von natürlichen Fungus, das im Boden existiert mithelfen.
Immer hielt ich Deutschland für ein Beispielland, das der Umwelt einen entsprechenden Respekt zeigt, jedoch dies Ereignis macht mich ehrlich bedenklich.
Können wir es stoppen, bevor es in anderen Bundesländern getrieben werden wird.

 
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