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 Autor Thema: Monsanto-Produkt 'Roundup' schädigt Embryonen
Richard Leopold Tomasch
Datum: 12.06.2009 11:01 Antworten Als Email verschicken Kontakt: rileto@proleben.at

Betreff: Monsanto-Produkt 'Roundup' schädigt Embryonen
 


----- Original Message -----
From: Rosi Reindl
To: rosi_reindl@web.de
Sent: Thursday, June 11, 2009 11:49 PM
Subject: FW: Monsanto-Produkt 'Roundup' schädigt Embryonen ...





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Monsanto-Produkt 'Roundup' schädigt Embryonen ...

Monsantos Alles-Killer "Roundup" [1] ist weltweit das meistverkaufte
Herbizid und Flaggschiff agrochemischer Monokultur. Auf seiner Wirkung
beruht auch der Erfolg von Monsantos "Roundup-Ready"-Gentechnik-Pflanzen,
vor allem Soja, Mais und Baumwolle. Sie widerstehen dem Mittel, während
alles andere Grün eliminiert wird. Auf Millionen von Hektar wird das Mittel
mit dem Wirkstoff "Glyphosat" rund um den Globus Jahr für Jahr ausgebracht.
[2] Eine Klage in Argentinien, dessen Soja-Anbau vollständig auf Roundup
eingestellt ist, könnte nun den Anfang vom Ende des Mittels markieren. Dort
stellte der führende Embryologe des Landes fest, dass Glyphosat Embryonen
schädigt.

Seit Professor Andrés Carrasco [3] seine Studie über die
embryonenschädigende Wirkung von Glyphosat veröffentlicht hat [4], bekommt
er Drohanrufe und auch mal ungebetenen Besuch von Anwälten [5]. Denn auf
Basis seiner Untersuchungen hat ein Konsortium von Umwelt-Anwälten jetzt
einen sofortigen Stopp des Einsatzes von Roundup beantragt, wie die
Financial Times berichtet [6], und die argentinische Regierung hat eine
Untersuchung angeordnet.

Die Studie von Professor Carrasco, der für die argentinische Armee arbeitet,
das Institut für molekulare Embryologie der Universität von Buenos Aires
leitet und zudem Präsident des argentinischen Nationalrats für
wissenschaftliche und technische Forschung (CONICET) [7] war, lässt
befürchten, dass Glyphosat nicht nur bei Amphibien, mit denen die
Experimente durchgeführt wurden, sondern auch bei Menschen zu schweren
Embryonalschäden führt. Carrasco hielt es deshalb für geboten, die
Öffentlichkeit bereits vor der Publikation der Studie zu informieren:
Verkleinerte Köpfe, genetische Zellveränderungen im zentralen Nervensystem
und deformierte Knochen und Knorpel seien regelmäßige und systematische
Folgen von Glyphosat. Man könne mit Sicherheit annehmen, dass ähnliche
Effekte auch bei Menschen aufträten, erklärte der Professor gegenüber IPS
[8]. In einem EFE-Interview [9] weist er darauf hin, dass sein Arbeitgeber
CONICET, der Forschungsabkommen mit Monsanto habe, keine besondere
Begeisterung für seine Untersuchungen aufbringe.

Die forsche Aussage von Monsanto-Chef Hugh Grant, er sehe der Klage gelassen
entgegen und halte die wissenschaftliche Ergebnisse für "shaky", klingt da
ein wenig wie das Pfeiffen im Walde. Sollte sich Carrascos Verdacht
bestätigen, dürfte Monsanto, das Roundup seit 1975 verkauft und dabei mit
Versicherungen über seine Unschädlichkeit nicht sparte, erhebliches
rechtliches Ungemach nicht nur in Argentinien ins Haus stehen.

Bisher will sich das Unternehmen zu den Vorwürfen noch nicht weiter äußern
und verkauft seine verschiedenen Roundup-Produkte weiter als "stark -
schnell - sicher" [10] für alle landwirtschaftlichen und privaten
Anwendungsbereiche. Im Sicherheitsdatenblatt [11] wird allerdings bereits
die Giftigkeit für Wassertiere betont. Ansonsten ist von Augenreizungen und
Hautirritationen die Rede. Bei der diesjährigen Verkaufsaktion in
Deutschland gibt es wahlweise Wellness-Gutscheine, Laptops und
Handsprühgeräte für den Einsatz im heimischen Garten zu gewinnen.

Carrascos Studie ist nicht die erste, die den Mythos vom unschädlichen
Totalherbizid ("Ist die Quecke nicht mehr da, fahren wir nach Amerika") in
Zweifel zieht. Prof. Gilles Seralini und seine KollegInnen von der
Universität Caen veröffentlichten Anfang des Jahres eine Studie [12], bei
der geringe Mengen von Roundup zum Absterben menschlicher Zellkulturen
führten, wobei hier die Rolle der geheim gehaltenen Beimengungen zum
Wirkstoff Glyphosat eine wesentliche Rolle zu spielen scheinen. Seralini
kommt zu dem Schluss, dass diese Mischung bereits in Dosen, wie sie
typischerweise als Rückstand in mit Roundup behandelten Gentechnikpflanzen
(nur sie überleben und gelangen so in menschliche und tierische Nahrung) zu
erwarten sind, zu Zellschädigungen führt.

Eine vorangegangene Studie von Seralini, in der Zellschädigungen durch
Roundup der menschlichen Plazenta nachgewiesen wurden, schaffte es bereits
2007 in die Liste der top 25 censored stories [13], in denen weitere
Hinweise auf die Schädlichkeit von Glyphosat verzeichnet sind.

Im Vergleich zu älteren Pestiziden gilt Glyphosat als schnell abbaubar und
weniger giftig für Mensch und Tier. Doch diese Einschätzung gerät nun
zunehmend unter Druck.

Unter Druck gerät Roundup allerdings auch von Seiten der Natur: Schneller
als Monsantos Gentechnik-Labore, entwickelte eine wachsende Zahl der
Pflanzen, denen Roundup den garaus machen soll Resistenzen gegen Glyphosat.
Dies führte zunächst zu einem durchaus erwünschten Effekt: Die Menge der
ausgebrachten Herbizide pro Hektar stieg in den vergangenen Jahren
sprunghaft an. Zunächst erhöhen die Gentechnikbauern die Roundup-Dosis.
Danach greifen sie zu zusätzlichen Giften. Monsantos Rivale Syngenta hat
sogar eine eigene Website namens Resistance Fighter [14] eingerichtet, auf
der es genüsslich die Ausbreitung von Roundup-Ready-Unkräutern verfolgt - um
dann die eigenen Pestizide als Lösung des Problems anzubieten. Was in den
USA begann, hat sich mittlerweile auch in Argentinien, Brasilien und sogar
in Australien bestätigt: Die "Pestizid-Tretmühle" dreht sich weiter.

In Argentinien, wo etwa 180 Millionen Liter Roundup auf gut 18 Millionen
Hektar Land versprüht werden, würde ein Verbot die
Roundup-Ready-Soja-Monokultur und einen der wichtigsten Devisenbringer des
Landes praktisch zum Erliegen bringen. Die Chancen für drastische Maßnahmen
stehen entsprechend schlecht. Kurzfristig erhofft sich Carrasco wenigstens
eine veränderte Einstufung des Mittels von "gering toxisch" in "hochtoxisch"
und rät zur Vorsorge und praktischen Maßnahmen, um Landarbeiter und Anwohner
nicht weiterhin den massiven Dosen auszusetzen, mit denen sie gegenwärtig
bedacht werden.

Allein in Dänemark ist Glyphosat seit gut fünf Jahren verboten, seit es im
Grundwasser des Landes nachgewiesen wurde. Auf Reaktionen aus anderen
Ländern, etwa aus Deutschland und der EU, den USA, Brasilien, Australien und
China, darf man gespannt sein.

China gehört übrigens nicht nur zu den Ländern, die Glyphosat in großen
Mengen einsetzen, sondern ist seit dem Ablauf des Patents im Jahr 2002 dank
der Vorkommen von für die Glyphosatproduktion benötigtem gelbem Phosphor im
Land auch der führende Hersteller mit einer Kapazität von fast 500.000
Tonnen Wirkstoff pro Jahr, von denen rund 80 Prozent exportiert werden. Zu
sinkenden Preisen auf einem bei gegenwärtig schrumpfendem Absatz umkämpften
Weltmarkt. Der bleibt mit rund 900.000 Tonnen freilich weiterhin gewaltig.
Fast ein Drittel des weltweiten Herbizidumsatzes wird mittlerweile von
Glyphosat bestritten. Die Schädlichkeitsschwelle in den Studien von
Professor Carrasco bewegen sich im Milligrammbereich. Dies illustriert das
Ausmaß seiner möglichen Implikationen.

Monsanto, das etwa 200.000 Tonnen Glyphosat pro Jahr produziert und in einer
Reihe von neuen Abwandlungen des alten Wirkstoffes verkauft, meldete letzte
Woche geringere Roundup-Erträge (rund 2 statt 2,4 Milliarden Dollar) für das
laufende Jahr. Dagegen steigen die Umsätze mit Saatgut auf ca. 4,5
Milliarden Dollar an. Auch die sind freilich zu einem erheblichen Teil von
der Verfügbarkeit von Roundup abhängig.


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Roundup#cite_ref-4
[2]
http://www.tucumanoticias.com.ar/noticias/up-load/upload/16MayGlifosato.jpg
[3] http://www.mindef.gov.ar/cv_acarrasco.html
[4] http://www.blauen-institut.ch/tx_blu/tm/tm09/tm1982.html
[5]
http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/wissenschaftler-d
er-gefahren-von-monsantos-round-up-aufzeigte-bedroht.html
[6] http://www.ft.com/cms/s/0/3d74344c-4be8-11de-b827-00144feabdc0.html
[7] http://en.wikipedia.org/wiki/CONICET
[8] http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=46516
[9] http://www.tucumanoticias.com.ar/noticia.asp?id=27764
[10] http://www.roundup.de/
[11] http://www.roundup.de/cgi-bin/Roundup_Turbo-12782de-de.pdf
[12] http://pubs.acs.org/doi/full/10.1021/tx800218n
[13]
http://www.projectcensored.org/top-stories/articles/13-new-evidence-establis
hes-dangers-of-roundup/
[14] http://resistancefighter.com/about/locations-map.aspx?id=93664
 
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